Interview zu 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Tuchola

Ereignisdatum
23.09.2019

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Tuchola sollen in der Oktober-Ausgabe des Mitteilungsblattes Interviews mit Personen, die zentral beteiligt waren, abgedruckt werden.

Die Fragen und die Antworten haben wir für Sie an dieser Stelle nochmals zusammengetragen.

 

Frage 1: Wie kam der Kontakt nach Tuchola zustande?

Der Kontakt kam über private Kanäle zustande. Mitglieder der sozialistischen Jugendorganisation „Die Falken“, darunter der spätere Olchinger Bürgermeister Siegfried Waibel und der aus Polen stammende Raimund Bruszynski nahmen am Jugendaustausch mit der polnischen sozialistischen Jugendorganisation teil. Daraus entstanden persönliche Verbindungen zu Personen, die später politischen Einfluss in Polen gewannen. Als in Polen 1981 gegen die von der neuen Gewerkschaft Solidarnosc getragenen Freiheitsbestrebungen das Kriegsrecht verhängt wurde, und es dadurch zu Versorgungsengpässen kam, organisierten Olchinger Hilfstransporte nach Polen, wobei ihnen die genannten persönlichen Verbindungen halfen.
Nachdem sich die Lage in Polen wieder beruhigte, wurden über diese persönliche Schiene Kontakte aufgenommen, um im Bezirk Bromberg eine gemeindliche Partnerschaft auszuloten. Schließlich kam es 1989 zu einem ersten Besuch von Siegfried Waibel und mir mit den Verantwortlichen aus Stadt und Partei in Tuchola. Der Olchinger Raimund Bruszynski dolmetschte. Es folgten mehrere wechselseitigen Besuche, die ein vertrauensvolles Fundament schafften, das trotz politischen Wechsel an der Stadtspitze in Tuchola 1994 zur offiziellen Partnerschaft führte.

Frage 2: Beschreiben Sie ein besonderes Ereignis während der Kennenlernphase.

Es gibt nicht nur ein Ereignis. Mich bewegten die vielen persönlichen Begegnungen, in denen ich die Menschen vor Ort kennen und verstehen lernte. Ein Höhepunkt war, als wir mit einem vollen Bus Tuchola besuchten, unser Volks- und Trachtenverein dort und in Nachbargemeinden mit seinen Auftritten begeisterte, Künstler aus Olching und Tuchola Freundschaften schlossen und Land und Leute über ihr Schaffen verbanden.

Frage 3: Worin sahen Sie die großen Errungenschaften dieser Partnerschaft?

Diese Partnerschaft dient der Versöhnung unserer beiden Länder, deren Geschichte eng miteinander verbunden ist. Auf dem Gebiet des heutigen Polen lebten über Jahrhunderte mehrere Millionen Deutsche, die dort steinerne Zeugnisse und kulturelle Spuren hinterlassen haben. Der 2. Weltkrieg hat vor 80 Jahren mit dem deutschen Überfall auf Polen begonnen und dazu geführt, dass Polen nicht nur schwer gelitten hat, sondern auch vom europäischen Westen, zu dem es in seiner wechselvollen Geschichte gehört hatte, abgetrennt und in den Ostblock gezwungen wurde. Nach der Wende ist es wieder zu diesem Europa zurückgekehrt. Damit das unumkehrbar bleibt, sind Städtepartnerschaften wie die unsere unerläßlich.
 

Das Interview führte Frau Henderichs (effentlichkeitsarbeit Stadt Olching) mit Ewald Zachmann (Bürgermeister a.D. und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Olching)