Podiumsdiskussion "Braucht Olching Kultur und Bildung?"

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Teilnehmerkreis
Ereignisdatum
23.02.2020

Olching, 23.2.2020. Die Volkshochschule Olching begrüsste mit Unterstützung der Stadt Olching und des Fürstenfeldbrucker Tagblatts die Bürgermeisterkandidaten in der Turnhalle der Grundschule Olching. Mit etwa 350 Interessierten waren die Sitzplätze zu 90% besetzt. Schwerpunkt: "Braucht Olching Kultur und Bildung?"

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Hélène Sajons und  Anke Velasquez. Dabei wurde - neben der Begrüßung - auch das Engagement und der Respekt vor der Verantwortung in den Vordergrund gestellt. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion durch Kathrin Böhmer vom Tagblatt Fürstenfeldbruck. 

Podiumsrunde
Geladen waren alle Bürgermeisterkandidaten in Olching (Andreas Magg - SPD, Stefan Eibl - FWO, Maximilan Gigl - CSU, Andreas Teichmann - FDP, Michael Maier - Grüne und Gabriel Sailer - ÖDP).
Hierbei wurde insbesondere die teilweise sehr unterschiedliche Sichtweise zum Thema Betreuung, Schulen, Fahrradwege und Fortbildung in Olching diskutiert. Spannend wurde es, als die Frage nach Schwaigfeld und die dünne Bildungslandschaft angesprochen wurde. Hier hatte es in den letzten 12 Jahren offensichtlich einige Änderungen in der Planung für das Neubaugebiet gegeben, die von der ursprünglichen Planung abweichen. Der Versuch, die Schuld der heute dort nicht vorhandenen Grundschule auf den vorherigen Bürgermeister zu schieben, konnte von Stefan Eibl widerlegt werden. 
 

Stefan Eibl

Der Bürgermeister unterstrich seine Leistung durch Schaffung von 600 neuen Krippen-Plätzen in den letzten 12 Jahren (Anmerkung FWO: dies waren gesetzliche Vorgaben, denen die Stadt zu folgen hatte).
Herr Eibl gab zu Protokoll, dass Feedbacks der Eltern aus KiTa und Schulen ein eher düsteres Bild zur angebotenen Ganztagsbetreuung aufzeigen. Zu wenige Plätze und insbesondere das Gefühl, die Kinder in der Ganztagsbetreuung in der Schule schlecht betreut zu sehen, treibt die Eltern in Sorgen. Vorbei sei die Zeit, in der ein Elternteil den Haushalt und die hohen Mieten übernehmen kann. Eltern sind auf Betreuungsangebote angewiesen, wenn sie ein menschenwürdiges Dasein fristen wollen. 

Ebenfalls gefühlt 2 Grad stieg die Raumtemperatur, als das Thema Paulusgrube in den Fokus kam. Während alle Kandidaten einstimmig den Verkehr in der Hauptstraße zu reduzieren als Schwerpunkt ansahen, konnten nicht alle erklären, wie dies mit der in der Paulusgrube geplanten neuen Stadtmitte mit Parkhaus funktionieren soll. Herr Eibl plädierte hierzu für die Schaffung von altersgerechten Wohnungen an dieser Stelle, wie auch einer Veranstaltungshalle und einem Treffpunkt für Jung und alt - ggf. Kino - auf jeden Fall mit Cafes und Restaurants. Durch die Anbindung von Bus und Bahn wären diese Ziele alternativ anfahrbar - während ein Einkauf in einem geplanten großen Einkaufcender an diesem Ort tendenziell eher das Auto in den Vordergrund rückt. 
 

Erläuterung in der Sache

Die Frage eines besorgten Bürgers nach der fehlenden Verkehrsberuhigung wurde durch die aktuelle Rathausleitung abgewiegelt. Es wurde angeführt, dass die StVO zwar immer die gleiche sei, aber in den letzten 12 Jahren der Landkreis diese "eigen interpretiert habe" - also für seine Belange ausgelegt habe. Daher sei eine Verkehrsberuhigung in Olching nicht möglich. Warum dies allerdings in anderen Städten und Gemeinden möglich sei, wurde auf die Willkürlichkeit geschoben. 
Interessierte Olchinger*innen

Die Frage nach der Innenstadt und insbesondere zu der wertvollen Angebotsstruktur des Einzelhandels gab die aktuelle Stadtführung zu Protokoll, dass man von dem Onlinehandel in den letzten 12 Jahren gänzlich überrollt worden sei und es zu Anfang nicht absehbar gewesen wäre. 

Herr Eibl unterstrich, dass eine gute Stadtführung nur dann funktioniere, wenn sich der Bürgermeister als Teil des Teams verstehe. Kommunikation und Respekt sind wichtige Grundsteine der Tätigkeit als Stadtoberhaupt. Auch ist die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, sowie mit dem Einzelhandel und dem Mittelstand wieder zu forcieren. Eine enttäuschte Bürgerin meldete sich und reklamierte die fehlenden Einflussmöglichkeit der Bürger auf Vorhaben. 

Die Frage, ob ein Bürgerentscheid Sinn mache, wurde mit dem Hinweis auf die rechtliche Bindung von nur einem Jahr durch die aktuelle Koalition als falschen Weg betitelt (Anmerkung FWO: Dass dies jedoch der Volkswille ist, der auch nach einem Jahr ernst genommen werden sollte, wird augenscheinlich nicht von allen gewollt). 

Text: Kersten Raisch, Fotos: Peter Knoll, Vanessa Bruckner, Kersten Raisch


Anmerkung der Freien Wähler Olching zur erfolgten Unterstellung, die Versäumnisse der fehlenden Schule im Schwaigfeld seien nicht der aktuellen großen Koalition von CSU und SPD zuzuschreiben:

Im Schwaigfeld wurde 1994 ein Grundstück für eine Volksschule (Grund- und Hauptschule) günstig erworben. Die Anträge der Freien Wähler im Jahre 1997, dort eine Grundschule neu zu bauen und die bisherige Grundschule Grasslfing an die Montessori Schule zu vermieten, wurden von CSU/SPD abgelehnt. In den Folgejahren wurden - zuletzt 2010 - von den Freien Wählern Olching wiederholt Anträge gestellt, auf dem Gelände einen Schulverbund mit einer Realschule oder privaten Wirtschaftsschule zu errichten. Alle Anträge wurden abgelehnt. Stattdessen wurde die Grundschule Grasslfing erweitert.
Nachdem sich die Erweiterung schnell als ungenügend herausgestellt hat, muss nun auf engstem Raum für über 20 Millionen Euro ein teilweiser Neubau in einen Bestand hineingequetscht werden, der früher in großzügiger Raumgestaltung für allenfalls 5 Millionen € hätte errichtet werden können. Die Olchinger*innen zahlen nun den (Mehr-)Preis für diese planlose Kurzsichtigkeit.